Catenaccio: Was Fußball mit der Digitalisierung zu tun hat

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Unternehmen in DACH sehen sich in der Digitalisierung als Nachzügler, die anderen das Feld überlassen. Für eigene Erfolge fehlt noch der Mut, mehr Innovation und Risiko zu wagen.

Die Digitalisierung erlaubt es Unternehmen, sich auf vielen Ebenen neu zu erfinden: neue Geschäftsfelder erobern, alte Prozesse vollständig ersetzen und Ressourcen neu fokussieren. So die Theorie. Stattdessen setzen deutsche Betriebe in der Praxis vor allem darauf, mit minimiertem Risiko leichte Effizienzsteigerungen zu erreichen – während sie Investitionen in Innovationen scheuen und Risiken meiden. So kann man die Ergebnisse der IDC-Studie „CIO Agenda 2020“ lesen, für die 265 CIOs aus der DACH-Region befragt wurden.

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Digitales Catenaccio

Viele deutsche Unternehmen betrachten die Digitalisierung demnach weniger als eine Chance, die es zum eigenen Vorteil zu nutzen gilt. Stattdessen sehen viele das Thema als eine teilweise belastende Herausforderung, bei der man möglichst wenige Risiken eingehen sollte. Professor Dries Faems bezeichnet diese Haltung in Unternehmen als „digitales Catenaccio“.

Der Catenaccio ist ein Begriff aus dem Fußball und beschreibt einen klassischen italienischen Spielstil, der das Spiel sehr defensiv und geduldig auslegt. Im Fußball gibt es wie in der Digitalisierung und IT-Planung sehr unterschiedliche Vorgehensweise und Strategien. Manche möchten das Spiel unbedingt kontrollieren und sich den Gegner zurechtlegen. Andere überlassen lieber dem Gegner das Heft des Handelns. Sie reagieren lieber auf das, was die anderen machen. Deutsche Entscheider „spielen“ hier eher abwartend. Die anderen sollen erst einmal machen. Hauptsache, vor dem eigenen Tor geht nichts schief. Knapp die Hälfte der Befragten in der CIO-Studie sieht sich als „Digital Follower“ statt als „Digital Leader“.

Gibt es digitale Konter?

Die Parallele zwischen der Digitalisierungsstrategie und dem Defensivfußball zeigt sich in der Herangehensweise: Kontrolliertes Abwarten. Die eigenen Chancen sollen sich dann hoffentlich später ergeben, wenn die anderen bereits etwas müde geworden sind. Die Kontertaktik. Catenaccio ist ganz darauf ausgerichtet, Chancen des Gegners zu verhindern. Die anderen dürfen gerne den Ball haben und das Spiel gestalten. Oder anders ausgedrückt: abwarten, bloß kein Risiko eingehen. Gefahrenabwehr steht in der Priorität höher, als eigene Chancen zu erzeugen. Das Spiel des Gegners unterbinden und sich bietende Gelegenheiten effizient nutzen. Das Wunschergebnis des Catenaccio ist eher ein 1:0 als ein 5:3.

Der digitale Catenaccio bedeutet analog dazu, dass sich viele Unternehmen nicht aktiv die Chancen erarbeiten, die möglich wären. Die Lücken und Schwächen der Konkurrenz werden in diesem Fall nicht erkannt und richtig genutzt. Stattdessen konzentriert sich die deutsche Wirtschaft bei der Digitalisierung ganz darauf, Fehler zu vermeiden. Digitalisierung dient vielen deutschen Unternehmen lediglich dazu, die Effizienz bestehender Prozesse zu verbessern. Nicht dazu, neue Chancen zu erzeugen.

Nicht zu viel Fokus auf die Defensive legen

Catenaccio benötigt ein sehr gut eingespieltes Team, damit alle Abläufe perfekt funktionieren und sich keine Lücken ergeben. Dies ist vergleichbar mit der Haltung in vielen deutschen Unternehmen, die viel Wert darauf legen, keinen Fehler zu machen. Es ist den Unternehmen wichtiger, sich auf Datenschutz und Sicherheit zu konzentrieren, als auf die Chancen, die neue Geschäftsfelder öffnen könnten. Wo Investitionen in Innovation benötigt werden, um sich für die Zukunft neu aufzustellen, suchen Unternehmen nach Wegen, um sprichwörtliche Gegentore noch sicherer zu vermeiden. Digitalisierung bedeutet in DACH-Unternehmen eher, bestehende Tools zu digitalisieren und Prozesse effizienter zu machen, statt grundlegende Fragen zu stellen.

Es gibt viele Beispiele für aktuelle Chancen. Beispielsweise den Fokus der internen IT neu auszurichten. Digitalisierung benötigt strategische Planung und Projektmanagement. Eine IT, die sich in einem starren taktischen System vor allem um administrative Aufgaben und den Betrieb der Systeme kümmert, hat nur wenig Spielraum für neue Initiativen und wichtige Projekte im Unternehmen.

Neue Strategien für mehr Erfolg

Ein Weg dorthin: Infrastruktur und Plattformen als Managed Services auslagern, damit die internen Experten sich auf wichtige strategische Aufgaben in der Digitalisierung konzentrieren können. Ein Teil davon kann sein, auch geschäftskritische Workloads in die Cloud zu migrieren, durch Managed Services interne Ressourcen für neue Projekte freizuräumen und vieles mehr. Laut einer aktuellen IDG-Studie zu Managed Services nutzen 74 Prozent der Befragten in der DACH-Region bereits Managed Cloud Services sowohl für unkritische als auch für geschäftskritische Workloads. 68 Prozent geben an, dass sie bereits 50 Prozent oder mehr ihrer Workloads in der Cloud betreiben (lassen). Das zeigt den Fortschritt, aber auch das noch offene Potenzial.

Übrigens: Auch der italienische Fußball war bei weitem nicht grundsätzlich so defensiv wie sein Ruf. Vor rund 35 Jahren hat der AC Milan bereits einen mutigen, aktiven Spielstil entwickelt, der als „Pressing“ Jahrzehnte später zum Vorbild für modernen Angriffsfußball bei Klopp und Co. wurde. Das Ergebnis: fünf nationale und internationale Titel in fünf Jahren. Was lernen wir daraus? Das Ziel für deutsche Unternehmen sollte deshalb sein: Lieber der AC Milan unter lauter ängstlichen Mauermannschaften sein!

Studie-Managed-Services-2020

Kostenfreie Studie

In der Zusammenfassung der Studie zur Nutzung von Managed Services erfahren Interessierte alle zentralen Aussagen der Befragten. Welche Erwartungen und Erfahrungen haben andere Unternehmen? Wie profitieren diese von Managed-Service-Providern und einer soliden Cloud-Strategie? An dieser Studie von IDG Research haben sich insgesamt 346 Entscheider und IT-Mitarbeiter aus der DACH-Region beteiligt.

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Titelbild von Phillip Kofler auf Pixabay

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