Corona beschleunigt Digitalisierung in der deutschen Industrie

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Die Krise treibt den digitalen Wandel in den Unternehmen voran. Dabei stehen vor allem Cloud- und IoT-Technologien im Fokus.

Die Corona-Pandemie hat tiefe Spuren in der deutschen Industrie hinterlassen. Im Jahr 2020 wurde laut Statistischem Bundesamt fast 11 Prozent weniger produziert als noch im Jahr 2019. Viele Unternehmen waren oder sind noch immer damit beschäftigt, angesichts anhaltender coronabedingter Einschränkungen ihr Geschäft erfolgreich aufrechtzuerhalten. Zugleich beschleunigt die Pandemie die Digitalisierung, denn viele Firmen nutzen die Krise als Chance, um den digitalen Umbau voranzutreiben. Das geht aus einer Studie zur Digitalisierung der deutschen Industrie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom hervor.

Fast alle Industriebetriebe sind laut Umfrage der Ansicht, dass durch die Corona-Pandemie die Digitalisierung in ihrem Unternehmen an Bedeutung gewonnen hat. Mehr als 60 Prozent wollen in Folge von Corona langfristig die Digitalisierung vorantreiben und nahezu genauso viele sehen einen Innovationsschub für das eigene Unternehmen. Für die Studie wurden 551 Industrieunternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten im Februar und März 2021 befragt.

Deutsche Unternehmen setzen Fokus auf digitale Dienstleistungen, Marketing und Vertrieb

Deutsche Unternehmen setzen Fokus auf digitale Dienstleistungen, Marketing und Vertrieb. Quelle: PwC „Die Zukunft der Fertigung neu denken“

„Digitalisierung ist eine hochwirksame Krisenvorsorge“

„Die Corona-Pandemie zeigt, dass Digitalisierung nicht nur im Normalmodus Effizienzgewinne und Wettbewerbsvorteile bringt, sondern auch eine hochwirksame Krisenvorsorge ist“, sagt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Verbands, mit Blick auf die Studie. Das hat die Mehrzahl der Betriebe in den vergangenen Monaten erkannt: Rund 63 Prozent geben an, dass die digitalen Technologien ihnen dabei helfen, die Krise zu bewältigen. Das spiegelt sich auch im Angebot der Unternehmen: Rund 80 Prozent haben bereits bestehende Produkte und Dienstleistungen angepasst und knapp die Hälfte der Befragten bietet neue Produkte. Bei mehr als 40 Prozent hat sich sogar das Geschäftsmodell durch die Corona-Krise verändert.

Die Ergebnisse der Bitkom-Studie decken sich weitgehend mit einer weltweiten Studie, die von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) durchgeführt wurde. In den kommenden Jahren wird im Zuge der Virus-Bekämpfung die Digitalisierung weiter stark an Bedeutung gewinnen. Davon ist fast die Hälfte der befragten Entscheider in Deutschland überzeugt. Für die am 1. April 2021 vorgelegte Studie „Die Zukunft der Fertigung neu denken“, befragte PwC 580 Entscheider von Industrieunternehmen in China, Japan, USA, Großbritannien und Deutschland.

Konzentration auf Cloud- und IoT-Technologien

Die Ausgaben für digitale Technologien werden in den kommenden beiden Jahren entsprechend steigen. Die Budgets in Deutschland werden mit einem Plus von durchschnittlich 4,2 Prozent im Vergleich zu den anderen Ländern mit am stärksten wachsen, wie die PwC-Analysten betonen. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf Cloud- und IoT-Technologien: Knapp 80 Prozent der deutschen Entscheider wollen sich in den kommenden sechs Monaten auf die Cloud konzentrieren; eine ähnlich hohe Priorität genießt das Thema Internet of Things (IoT).

Das große Interesse an Digitalisierung in Deutschland werten die PwC-Analysten als mögliches Indiz für den „vielzitierten Nachholbedarf der deutschen Industrie“. Dies könne „aber ebenso den Anspruch unterstreichen, auch beim Thema digitale Fabrik global vorne zu liegen“, betont Klaus-Peter Gushurst, Leiter des Bereichs Industrie & Innovation bei PwC Deutschland.

Immer mehr Unternehmen setzen auf IoT-Plattformen

Die Bitkom-Studie beschäftigt sich auch mit dem Thema Industrie 4.0, denn darin sehen rund 95 Prozent der Befragten eine Chance für das eigene Unternehmen. Unter Industrie 4.0 versteht man die intelligente Vernetzung von Maschinen und Abläufen in der Industrie mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien.

Bereits 43 Prozent der Industrieunternehmen nutzen eine IoT-Plattform und rund 32 Prozent wollen dies in Zukunft tun. Eine IoT-Plattform ermöglicht es, Daten von verschiedenen Anlagen, Maschinen, Geräten oder Komponenten zentral an einer Stelle zusammenzuführen, zu speichern und auszuwerten.

Mit IoT-Plattformen Prozesse optimieren und Kosten senken

Die Bedeutung von IoT-Projekten unterstreicht auch die IDG-Studie „Internet of Things 2021“. Der Anteil der Firmen, die IoT-Projekte in 2020 umgesetzt haben, lag bei 51 Prozent gegenüber 49 Prozent in 2019. Die meisten Unternehmen konnten mit den Projekten ihre Produktivität steigern und Kosten senken. Laut IDG-Studie zählt die Optimierung von Geschäftsprozessen, die Verbesserung von Produkten und Services sowie Kostensenkungen zu den wichtigsten Mehrwerten. Daher stellen aktuell viele produzierende Unternehmen die Weichen in Richtung einer Smart Factory sowie daraus resultierender Smart Services und Products.

Außerdem sorgen IoT-Systeme für Arbeitserleichterungen in der Logistik und in der Instandhaltung. „IoT-Plattformen legen das Fundament für digitale Mehrwertdienste“, betont Bitkom-Hauptgeschäftsführer Rohleder. Sie ermöglichen so z .B. auch eine vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance). Damit lässt sich die Wartung von Produktionsanlagen deutlich verbessern. Mögliche Probleme können frühzeitig erkannt und behoben werden. So lässt sich auch die Ausfallsicherheit in der Produktion steigern.

Bedenken wegen hoher Anforderungen an Datenschutz und IT-Sicherheit

Zwar setzen inzwischen bereits zahlreiche Unternehmen auf Industrie 4.0-Anwendungen. Doch es gibt auch Hindernisse. Vor allem Kosten und Aufwand für den Einsatz von IoT-Systemen lassen so manchen Betrieb zurückschrecken: Mehr als drei Viertel der Firmen geben an, dass sie keine ausreichenden finanziellen Mittel dafür haben. Außerdem haben mehr als 60 Prozent Bedenken angesichts hoher Anforderungen an Datenschutz und IT-Sicherheit. Hinzukommt, dass oft die nötigen Fachkräfte in den Betrieben fehlen.

IoT-Plattform sphinx open online on pluscloud

IoT-Plattformen als Service beziehen

Unternehmen können IoT-Plattformen selbst installieren oder als SaaS (Software as a Service) aus der Public Cloud beziehen. Aber es gibt auch Cloud-Provider wie plusserver, die ganzheitliche Lösungen rund um die Einrichtung und den Betrieb von IoT-Plattformen in einer sicheren europäischen Cloud anbieten.

Geringer Bekanntheitsgrad von Gaia-X

Die europäische Initiative Gaia-X will eine leistungs- und wettbewerbsfähige, sichere und vertrauenswürdige Dateninfrastruktur für Europa schaffen. Rechtskonformer Datenaustausch und Datensicherheit spielen in der deutschen Industrie eine zentrale Rolle. Dennoch kann nur jedes dritte Unternehmen mit dem Projekt Gaia-X was anfangen.

Bemerkenswert ist aber: Diejenigen, die wissen, worum es bei Gaia-X geht, zeigen äußerst großes Interesse. Zum Beispiel am Datenaustausch auf Basis von Gaia-X, an Migration von unkritischen Geschäftsprozessen in die Cloud, an sicherem Identitätsmanagement oder an der Vermeidung von Lock-in-Effekten.

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Gaia-X und das Community-Projekt Sovereign Cloud Stack (SCS) sollen Unternehmen dabei unterstützen, in der Cloud datensouverän zu bleiben.

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