Die Industrie im Cloud-Zeitalter

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Neue und sich verändernde Workloads in der Industrie stellen etablierte IT-Infrastrukturen auf den Prüfstand. Dies können und sollten Unternehmen jedoch als Chance verstehen, neue IoT-Applikationen mit Hilfe moderner Cloud-Lösungen effizient und profitabel einzusetzen. Doch welche Cloud-Modelle sind hier möglich und wie lassen sich diese am sinnvollsten umsetzen?

Aktuell befindet sich die produzierende Industrie in puncto Cloud häufig noch in der Evaluierungsphase. Dies hat das renommierte Analystenhaus Crisp Research im Rahmen der aktuellen Studie „Cloud Orchestration Excellence“ ermittelt. 34 Prozent der Industrieunternehmen haben hier angegeben, dass sie zwar bereits erste Konzepte entwickeln. Bisher setzen Sie aber die Cloud noch nicht für konkrete Projekte und Workloads ein. Damit steht die Branche jedoch nicht alleine da. Auch Banken und Versicherungen sowie Logistik und Verkehr bereiten sich zu gut einem Drittel noch auf den Umzug in die Cloud vor.

Ebenso hoch ist allerdings auch der Anteil der produzierenden Industrieunternehmen, die schon erste Schritte in der Cloud unternehmen. 29 Prozent gaben in der Studie an, bestimmte Workloads in die Cloud verlagert zu haben. Weitere 21 Prozent haben die Cloud schon fest in ihre IT-Strategie und den aktuellen Betrieb integriert. Somit bleiben nur 16 Prozent an Cloud-Verweigerern in der Branche übrig, für die das Thema derzeit und zukünftig keine Rolle spielt.

Grafik Cloud-Strategie in der Industrie

Quelle: Crisp Research 2018

Cloud als Basis für Digitalisierung

Insgesamt befinden sich die produzierenden Unternehmen auf einem guten Weg: Sie möchten bestehende Architekturen überarbeiten, um geänderten Anforderungen an die IT gerecht zu werden. Datengetriebene Geschäftsmodelle, Digital Workplaces oder auch IoT-Wertschöpfungsketten gewinnen an Bedeutung. Jedoch können sie mit den bisherigen IT-Kapazitäten oft nicht mehr bewältigt werden. Unter dem Schlagwort Digitalisierung bereiten sich deutsche Unternehmen auf eine schnelllebige digitale Wirtschaft vor. Experten prophezeien, dass diejenigen im Wettbewerb schnell den Anschluss verlieren, die ihre Prozesskulturen nicht an den digitalen Wandel anpassen. Vor diesem Hintergrund geben auch 59 Prozent der Befragten an, dass die Digitalisierung der Prozesse in Wartung, Service und Support eine hohe Priorität habe. 40 Prozent möchten die Kundenbeziehung als Ganzes digitalisieren. 35 Prozent legen ihr Augenmerk auf eine optimierte Prozesskette in der Produktion und Logistik (Mehrfachnennungen waren möglich).

Um all diese Vorhaben zu schaffen, gilt es, die Faktoren Performance, Verfügbarkeit und Funktionsvielfalt der IT zu berücksichtigen und zu optimieren. Dies haben auch viele der befragten Entscheider erkannt: 38 Prozent gaben an, dass die Dynamisierung und Flexibilisierung der IT – und damit einhergehend die Umstellung in Richtung Cloud – für sie eines der zentralen Aufgabenfelder der Digitalisierung sei.

Cloud vs. On-Premises?

Viele Unternehmen stehen vor der Frage, ob sie lieber ihre eigenen Rechenzentren weiter ausbauen oder auf Cloud Computing zurückgreifen sollten. In der produzierenden Industrie mit wertvollen Produktionsdaten und -informationen geben 42 Prozent der Befragten an, weiterhin auf eigene Rechenzentren und Colocation-Umgebungen zu setzen. Diese möchten sie zudem weiter ausbauen. Nur 10 Prozent der Entscheider aus der Branche sind bereits sicher, dass sie ihre Rechenzentren konsolidieren und ganz auf externe Cloud-Services umstellen werden. Weitere 30 Prozent streben an, innerhalb des eigenen Rechenzentrums auf Cloud-Technologien im Sinne einer Private Cloud zu setzen.

Bei der Frage nach der passenden Umgebung treten oft die Wünsche an die Innovationsgeschwindigkeit mit dem Streben nach Datenhoheit in den Ring. Als Sieger geht dabei häufig ein hybrides Cloud-Modell hervor, das eigene Infrastrukturen mit Services aus der Cloud verbindet. Während die Unternehmen die Datenhoheit in der eigenen Umgebung gewahrt wissen, eröffnet ihnen die Cloud endlose Compute-Ressourcen und unzählige Software- und Plattformdienste. Neue Applikationen, etwa aus dem Bereich IoT, können so zügig umgesetzt werden. So ist der Einsatz der Cloud in der Industrie bei weitem kein Entweder-oder. Es kommt vielmehr darauf an, Cloud-Dienste geschickt zu integrieren.

Multi-Clouds im Trend

Neben hybriden bieten auch Multi-Cloud-Lösungen eine gute Möglichkeit, um die Vorteile mehrerer Infrastrukturen geschickt zu kombinieren. Aus diesem Grunde zeichnet sich in der deutschen Gesamtwirtschaft auch ein Trend zu solchen Infrastrukturen ab. 24 Prozent betreiben bereits heute eine Dual-Cloud-Strategie, 20 Prozent geben die Nutzung einer Multi-Cloud als Status Quo an. Als konkrete Gründe werden dabei am häufigsten genannt (Mehrfachnennungen möglich): die Verfügbarkeit deutscher Cloud-Rechenzentren (37 Prozent), die Anforderungen bestehender Workloads an Performance, Skalierbarkeit und Stabilität (37 Prozent) sowie die Stärken verschiedener Anbieter (36 Prozent). Eine auch im Hinblick auf die Digitalisierung wichtige Begründung lieferten weitere 27 Prozent der Befragten: Eine einzelne Infrastruktur kann den Betrieb verschiedener Workloads nicht gewährleisten.

(Externe) Cloud-Skills gefragt

Insgesamt halten die Analysten im Hinblick auf die Studienergebnisse fest, dass die Fähigkeit zur Cloud-Orchestrierung heute als „most wanted IT-Skill“ gilt. Für die Industrie bedeutet dies, ihre eigenen Teams durch entsprechende Trainings gezielt auf den Betrieb von Multi-Cloud-Infrastrukturen vorzubereiten. Denn im Hinblick auf die Umsetzung hybrider und Multi-Cloud-Strategien bleibt die interne IT wichtig.

Ergänzend werden Unternehmen das Know-how zunehmend extern einkaufen und damit auf die Erfahrung durch bereits umgesetzte Projekte setzen. Gerade in den Bereichen Kapazitätsmanagement, Service und Support, Release Management sowie Migration/Infrastruktur-Transformation sind die Kenntnisse externer Managed-Cloud-Provider gefragt. 18 Prozent der befragten Unternehmen werden die Betriebsverantwortung für die Cloud zukünftig vermehrt an Managed-Cloud-Provider abgeben. 14 Prozent möchten die Verantwortung zwischen eigener IT und externem Managed-Cloud-Anbieter aufteilen. Bei der Auswahl des passenden Partners setzen deutsche Unternehmen auf Zuverlässigkeit. Es spielt hauptsächlich der hohe Zertifizierungsgrad in Sachen Cloud-Infrastrukturen und -Sicherheit eine Rolle (47 Prozent).

Cloud in der Industrie: Handlungsempfehlungen der Experten

Die Analysten von Crisp Research raten dazu, bereits jetzt zumindest die Planungsphase für die Cloud-Nutzung anzugehen. Dies sei die Chance, auf neue Technologietrends zu setzen und die Grundlage für einen erfolgreich orchestrierten Cloud-Betrieb zu legen. Dabei sehen sie auch weiterhin eine große Bedeutung der Private Cloud als Betriebsgrundlage für bestehende Workloads. Jedoch geben sie auch zu bedenken, dass Hybrid- und Multi-Cloud-Architekturen zukünftig die Realität sein werden. Hier seien klare Strategien ratsam, um die Integration, Migration und Orchestrierung der Plattformen sauber umzusetzen.

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Crisp Research hat deutsche Unternehmen zu ihrer Cloud-Strategie befragt. Auf Basis der Daten geben die Analysten wertvolle Empfehlungen für den erfolgreichen Einsatz der Cloud.

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