S/4HANA nimmt Fahrt auf: Zeit für eine Cloud-Migration?

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Unternehmen müssen jetzt handeln, um einen Projektstau bei der Transformation zu
S/4HANA zu vermeiden.

2027 wird SAP die Wartung seiner bisherigen ERP-Produkte SAP R/3 und SAP ECC beenden. Das bedeutet für sehr viele Unternehmen, dass sie sich eine neue ERP-Lösung suchen oder auf S/4HANA migrieren müssen. Keine triviale Aufgabe, da SAP-Projekte in der Regel sehr komplex und SAP-Experten eher rar sind. Zudem müssen sich Unternehmen frühzeitig für die passende Strategie für den Wechsel entscheiden. Denn SAP ist in dem meisten Unternehmen als betriebswirtschaftliche Software ein wesentliches Kernelement des jeweiligen Geschäftsmodells inklusive der entsprechenden Prozesse.

Deshalb gilt es zunächst einige grundlegenden Fragen zu klären: on-premise oder Cloud? Nur technische Migration oder Redesign der Geschäftsprozesse und dazu Orientierung am S/4HANA-Standard? Nur Wartung des ERP-Systems oder Teil der digitalen Transformation? Lünendonk & Hossenfelder haben dazu 153 CIOs, CFOs und weitere SAP-Verantwortliche aus großen mittelständischen Unternehmen sowie Konzernen befragt.

SAP Basis on pluscloud

Umstieg auf S/4HANA: Unternehmen noch zögerlich

Die Analysten fanden dabei heraus, dass Konzerne und Großunternehmen die Umstellung auf S/4HANA größtenteils noch eher zögerlich angehen. Bisher befassen sich lediglich 52 Prozent der Befragten mit der Erstellung eines entsprechenden Business Case. Weitere 30 Prozent haben eine Phase mit Vorstudien abgeschlossen und sind dabei, eine Rollout-Strategie zu entwickeln. Doch lediglich fünf Prozent der Unternehmen befinden sich bereits im Rollout.

Unternehmen bleiben SAP treu, nur 4 Prozent wollen wechseln.

Quelle: Lünendonk

Das bedeutet für viele Firmen, dass die Zeit langsam knapp wird, um ein solch komplexes Projekt erfolgreich umzusetzen. Nicht zu vergessen ist dabei auch, dass es in diesem Bereich bereits jetzt an Fachkräften mangelt. Die Lünendonk-Umfrage geht deshalb davon aus, dass es spätestens ab dem Jahr 2022 zu einem entsprechenden Projektstau kommen wird. Denn laut der Umfrage werden über 70 Prozent der Befragten erst ab 2022 mit dem Rollout von S/4HANA beginnen. Zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, den Rollout zwischen 2023-2025 abgeschlossen zu haben. Das dürfte etwas optimistisch sein…

Zentrales System gefragt

Die Lünendonk-Studie „Fit für die digitale Transformation“ vom Frühjahr 2019 zeigte, dass 58 Prozent der Großunternehmen und Konzerne weit mehr als zehn ERP-Systeme im Einsatz haben. Doch laut der aktuellen Umfrage wollen jetzt Dreiviertel der Befragten im Rahmen der Umstellung auf S/4HANA ein zentrales System einführen. Und 65 Prozent wollen ihre SAP R/3 beziehungsweise SAP-ECC-Anwendungen in die Cloud migrieren.

Zunächst planen jedoch 48 Prozent der befragten Unternehmen eine rein technische Migration vom bestehenden ERP-System zu S/4HANA. Dies liegt laut der Umfrage an den zu erwartenden hohen Kosten sowie einem hohen Projektaufwand bei einer Neuausrichtung der Geschäftsprozesse. Zudem schrecken die daraus resultierenden Anpassungen der Organisationsstruktur und Prozesse bisher noch viele Unternehmen ab.

Dennoch plant jedes zweite Unternehmen neben der technischen Migration auch eine Anpassung der Prozesse. Aktuell ist für die Umstellung der Brownfield-Ansatz etwas beliebter (s. Infobox). Da sich die meisten Unternehmen noch in der Planungsphase befinden, erwarten die Analysten, dass es hier noch zu Änderungen kommt.

Viele möchten bei SAP weiterhin auf bestehende Prozesse und Strukturen setzen.

Quelle: Lündendonk

Digitale Transformation vorantreiben

Die Umfrage zeigt zudem, dass sich Unternehmen durch die ERP-Umstellung erhoffen, den Anforderungen der Digitalisierung besser gerecht zu werden. 65 Prozent der Befragten, die eine rein technische Migration durchführen, wollen Prozesse mehr an der Digitalisierung und veränderten Marktbedingungen ausrichten. Bei den Unternehmen, die ihre Prozesse grundsätzlich neu justieren möchten, liegt der Wert sogar bei 85 Prozent.

Zudem wünschen sich die befragten IT-Entscheider einen höheren Automatisierungsgrad und eine Prozessbeschleunigung. Technologisch erwarten sich 70 Prozent der Befragten durch die Einführung von S/4HANA einen höheren Automatisierungsgrad – besonders Banken und Versicherungen. Diese erhoffen sich durch die Migration deutlich mehr automatisierte Prozesse. Für 54 Prozent der Unternehmen ist neben der Automatisierung auch die Beschleunigung von Prozessen ein erwarteter Mehrwert durch die Umstellung. Doch zunächst erhoffen sich die Unternehmen vom Wechsel zu S/4HANA eine einheitlichere Datenbasis und eine bessere Datenqualität.

Welche Erwartungen haben Firmen bei der Umstellung auf SAP S/4HANA: Mehr Automatisierung und beschleunigte Prozesse.

Quelle: Lündendonk

S4/HANA in der Cloud

SAP S/4HANA können Unternehmen in der SAP-Cloud, bei Hyperscalern oder bei spezialisierten Managed Cloud Service Providern betreiben. Jedes fünfte Unternehmen will sich für die letztgenannte Option entscheiden. Besonders für die Unternehmen, die ihre Daten sicher und DSGVO-konform in Deutschland wissen möchten, eignen sich Angebote lokaler Cloud-Anbieter. So bietet plusserver beispielsweise den Betrieb der SAP-Basis in der eigenen pluscloud an. Die Cloud-Lösung ermöglicht Unternehmen eine höhere Effizienz, geringere Kosten sowie die Entlastung des eigenen IT-Teams. Kostspielige Investitionen in neue Infrastruktur, Know-how oder Personal entfallen. Zudem erleichtert plusserver Unternehmen die Transformation ihrer SAP-Systeme durch umfassende SAP-Consulting-Services.

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Mehrere Ansätze für die Migration auf S/4HANA

In den meisten Unternehmen sind SAP-Systeme hochkomplex. Viele haben sie an ihre individuellen Bedürfnisse angepasst und ergänzt. Für den Umstieg auf die neue Version SAP S/4HANA gibt es daher auch unterschiedliche Ansätze.

Brownfield-Ansatz

Hierbei geht es um eine System-Konvertierung. Das bestehenden ERP-System von SAP wird dazu in schrittweisen Phasen entsprechend einer Roadmap auf SAP S/4HANA transformiert. Diese Strategie wird meist genutzt, wenn vor der Transformation kaum Änderungen am System gemacht werden müssen.

Der Brownfield-Ansatz eignet sich daher vorwiegend für bestehende SAP-Systeme, die keine oder nur wenig Altlasten tragen. Auch Systeme, die sich bereits recht nah im Bereich des SAP-Standards bewegen, werden bevorzugt mit diesem Ansatz migriert.

Greenfield-Ansatz

Diese Strategie eignet sich für Unternehmen, die sehr große, komplexe SAP-Systeme nutzen, die über viele Jahre fortlaufend weiterentwickelt wurden. Denn beim Greenfield-Ansatz geht es meist um eine Neuimplementierung des SAP-Systems. Diese läuft parallel ab und beeinträchtigt dadurch nicht die laufenden Geschäftsprozesse. Bei dieser Neuimplementierung wird das SAP-System grundlegend neu aufgebaut. Die bestehenden Daten können jedoch übernommen werden.

Ein Vorteil für Unternehmen ist, dass sie die bisher getätigten zusätzlichen Erweiterungen neu überdenken und anpassen können. Das bedeutet unter Umständen auch, dass einige der Erweiterungen im neuen System entfallen können. Denn S/4HANA liefert im Standard bereits einige neue Möglichkeiten mit. Wichtig hierbei ist: Im Greenfield-Ansatz wird auch die Datenbank unter die Lupe genommen. Das kann jedoch schnell zu einem Datenchaos führen, wenn die Unternehmensdaten nicht regelmäßig geprüft und aktualisiert wurden.

Eine Bereinigung der Daten ist dann mit entsprechend hohem Aufwand verbunden. Da man beim Greenfield-Ansatz alle Prozesse neu evaluiert, sind Migrationsprojekte aufwendiger und bedürfen einer entsprechend frühzeitigen Planung und Umsetzung.

Bluefield oder Orangefield

Dieser Ansatz ist quasi eine Mischform von Brownfield und Greenfield. Er eignet sich für fast jedes S/4HANA-Projekt, weil man sich je nach Funktion für einen Migrationsansatz entscheidet.

Bluefield/Orangefield bietet Unternehmen folgende Vorteile: Business Continuity – nahezu ohne Ausfallzeiten, selektives Prozess-Reengineering, selektive Migration großer Datenmengen ohne zeitraubende Archivierung im aktuellen System, Harmonisierung bei strukturellen Veränderungen sowie einfachere Konsolidierung auf ein zentrales System.

Titelbild von William Daigneault auf Unsplash

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